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Muecke im Maerz
"Komm mal rüber", fordere ich ihn auf, und er geht mit mir in den Duschraum, wo ich ihn gegen die Fliesen drücke und auf den Mund küsse. Die Neonröhre flackert und ich denke, dass das mein erster Kuss mit allem drum und dran ist, dass der Glitzer auf der Hose jetzt noch mehr glitzert, und wenn plötzlich Wasser aus den Duschköpfen käme wäre es wie in einem Musikvideo und das Wasser würde steigen und vielleicht würden die Türen klemmen und wir würden ertrinken in dem Meer unserer Liebe und am nächsten Tag würde jemand die Tür aufstemmen und uns als zwei blaue, aneinander geschmiegte Leichen aus der Dusche ziehen und bei der Obduktion würde man feststellen, dass ich nicht als Jungfrau gestorben bin und Nora wäre neidisch.

Carlsen Verlag

Die blaue Seite

Die Zeit, der Tod und jede Menge Menschen, die dazwischen aufgerieben werden.

„Die verbotene Stadt“  – Freilichttheater mitten in der historischen Kulisse der Drei Rosen Stadt Moosburg.
Die Burghartinger, ein altes Adelsgeschlecht, kämpfen um ihre Rechte in den Wirren des kaiserlich – päpstlichen Streits um 1106. Ich schlage mich als gewitzte Bäuerin durch alle Intrigen und Geheimnisse und darf, siehe Bild, auch mal heulen.
Eine aufwendige Produktion mit Orchester, Tänzern und Schauspielern.
Ich hab viel Spaß mit den Kollegen und wenn es in den Kostümen nicht so schweineheiß wäre, hätte ich gute Lust noch bis nächstes Jahr weiterzuheulen.
Festspiele Moosburg.

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Fotos:  BR online und Moosburger Zeitung

Saarbrücken

Vom 3. bis 7. Mai 2010 war ich in verschiedenen Schulen im Saarland, um aus ‘Mücke im März’ vorzulesen. Die Zusammenarbeit mit Lehrern und Schulleitern, hervorragend koordiniert vom Friedrich Bödecker Kreis, hat noch ein bisschen Platz gelassen, damit ich mir in einem winzigen Friseursalon in der Saarbrücker Innenstadt einen Haarschnitt und 2 Stunden Klatsch und News der Lokalszene abholen konnte. Ansonsten bin ich im Vergleich zum Bundesdeutschendurchschnitt auf geradezu literaturbesessene Jugendliche gestoßen und habe die Information genossen, in der gleichen Künstlerwohnung zu übernachten, wo Oliver Steller demnächst sein müdes Lyrikhaupt  betten wird. Kleine Verneigung in Richtung des einzigen Musikpoeten, der momentan Zehntklässler für ein Heinrich Heine Gedicht gewinnen kann.

Oldenburg

Kirsten Reinhardt und ich teilen uns den Oldenburger Kinder – und Jugendbuchpreis 2009. Ich freue mich. Hurra. Mehr dazu hier.

Russland Kühe

Die Lesereise ist fürs Erste abgeschlossen.
Mit “Mücke im März” durchs Land zu tingeln war eine gute Erfahrung, vor allem die vielen Leute kennenzulernen und zu hören, was bei ihnen los ist. Von der kleinen Dorfschule mit angrenzender Kuhweide bis zur St. Pauli Gesamtschule war es aufregend und interessant.
Nächstes Jahr bin ich für die Lübecker Bücherpiraten in Norddeutschland unterwegs. Mal sehen, was da passiert.
Zwischendurch durfte ich einen schönen Sprecherjob für eine Doku machen. Die Stimme einer Taekwondo Kämpferin aus dem Iran, die bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking Bronze geholt hat; verhüllt, wie es das Gesetz im Iran vorschreibt.
Außerdem spiele ich gerade in der Nähe von München in einem Theaterstück mit: Der Doktor und die Teufel – eine finster, morbide Geschichte. Lecker.

Es wird auch Zeit, wieder zu schreiben.
Wenn alles gut geht, kommt nächstes Jahr ein Buch mit Kurzgeschichten verschiedener Autoren heraus. Wer sich in mehr als einem Land zu Hause fühlt, Eltern hat, die schlechter Deutsch sprechen als man selbst oder mindestens einmal im Leben das Gefühl hatte, fremd zu sein, könnte das Buch unter Umständen mögen. Ich liefere die “russische Geschichte”,
natürlich.

Lübeck

War in Lübeck. Sehr nette Lesung bei den Bücherpiraten.
130 Schüler, davon einige Exemplare interessant gekleidet. Bei näherer Betrachtung gemerkt, dass Fasching ist.
Im Cafe Niederegger Marzipan gegessen. Die Kellnerinnen tragen weinrote Uniform, Schürzen wie Tortenspitzen und Gesunheitsschuhe.
Die Abwesenheit weiblicher Reize, die sich in diesem Kostüm  selbst bei knackigen Anfangzwanzigerinnen einstellt, hat zu betrachten, mir Spaß gemacht.  Lübeck werde ich als nördlichste Gemütlichkeit meines Lebens und das jüngste, angenehmste Organisationsteam der bisherigen Lesereise in Erinnerung behalten.
Nächste Station Köln.
Heinrich Heine auswendig im Kopf, damit ich mir spätestens vor dem Dom ein paar Verse von “Deutschland – ein Wintermrächen” erzählen kann.